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ADFC Startseite
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"20 Jahre ADFC" Mai 1999 Kleine Geschichte des ADFC
Die Idee, eine starke
Fahrradlobby zu gründen, ist während der Internationalen Fahrrad-
und Motorrad-Messe (IFMA) 1978 geboren worden. Sie ging auf den damals 51jährigen
Bremer Transport- und Unternehmensberater Jan Tebbe zurück. Er konnte
einen Kreis ähnlich denkender Fachleute davon überzeugen, dass
dem Vorrang des Autos im Verkehr eine Interessenvertretung für das Fahrrad
entgegengesetzt werden muss, um ihm "als erstem und übergeordneten Ziel
Gleichberechtigung" zu verschaffen. Forum war ein von Günther Stiller,
Oberursel, organisiertes BUND-Symposium in der Fachhochschule Köln.
Erlangens Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg, der eine systematische Fahrradförderungspolitik
begonnen hatte, motivierte zusätzlich. Zunächst ist es aber nicht
gelungen, die verschiedenen Gruppen zusammenzuführen.
Am 18. April 1979 ist es in der Bremer Wohnung Tebbes zum nächsten Anlauf gekommen. 18 Personen einigten sich auf einen Satzungsentwurf für einen zunächst nicht eingetragenen Aufbauverein und vereinbarten, erst an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn 100 Mitglieder gewonnen werden konnten. Auch der Name ADFC wurde festgelegt – wobei eine gewisse Namensähnlichkeit gewollt war. Nach 14 Tagen waren 179 Mitglieder eingetragen – Jahresbeitrag: zwei DM. Bald haben erste ADFC-Aktivitäten in Köln, Dortmund, Bonn und Aachen begonnen, dann auch in Braunschweig, Frankfurt, Hannover und Erlangen. Es war erklärtes Ziel, dem ADFC eine vereinsrechtliche Struktur zu geben, damit er als Partner der Politik und anderer Verbände akzeptiert werden musste. Jan Tebbe formulierte den Unterschied zu den damals aktiven Grünen Radlern so: "Die demonstrieren vor dem Rathaus, der ADFC verhandelt drinnen." Man wollte keine Weltanschauung verbreiten, sondern die Korrektur historischer Fehler in der Verkehrspolitik erreichen. Kurz zuvor hatte der ADAC seine Vision einer Übertragung kalifornischer Verhältnisse auf die Bundesrepublik, also das Ziel der totalen Autogesellschaft veröffentlicht. Mit dem ADFC gab es nun die organisierte Gegenposition. Im ersten Interview mit Radio Bremen nannte Tebbe im Mai 1979 die Verknüpfung von Öffentlichem Verkehr und Fahrrad eine vordringliche Aufgabe.
Starkes Mitgliederwachstum Die Organisationsstruktur ist zügig festgelegt worden. Am 27. September 1979 fand die eigentliche Gründungsversammlung im Bremer Haus Hans Hannemanns, in einer Mitgliederversammlung am 15. Oktober wurde die Satzung beschlossen, am 26. Oktober erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Bremen. Seitdem hat der ADFC seinen Sitz in Bremen. Jan Tebbe war Vorsitzender bis 1982. Eine seiner bedeutendsten Leistungen war die Organisation des Velo/City-Kongresses – so die Schreibweise der bewusst doppeldeutigen Namenswahl - vom 10. bis 12. April 1980 in Bremen, womit eine große Tradition begründet wurde. Aus beruflichen Gründen zog er sich von der Spitze zurück. 1982/84 gehörte er dem Vorstand als Beisitzer an, ab 1984 bis zu seinem plötzlichen Tod am 30. Juli 1985 als Stellvertretender Vorsitzender. Im Vorsitz folgte ihm 1982/86 Anne Modersohn, Frankfurt, dann Karl-Ludwig Kelber, Bonn, bis 1998 und nach ihm Wolfgang Große, Hamburg. Bald gab es regen Zulauf: Die Gründung des ADFC entsprach einem elementaren Bedürfnis vieler Menschen. Zwar verlangsamte sich die Entwicklung wieder, aber nur kurz. Vom Juni 1985 bis Juni 1986 gab es eine Verdoppelung von 6.500 auf 12.800 Mitglieder. Ende 1989 wurde mit einer Steigerung von 46 Prozent innerhalb eines Jahres die Marke 30.000 erreicht, im August 1990 die von 40.000. Im Mai 1991 wurde die Schwelle von 50.000 überschritten. Die Aufwärtsentwicklung war dem Ausbau der Bundesgeschäftsstelle, der Berufung eines Bundesgeschäftsführers – bis heute Horst Hahn-Klöckner -, verkehrspolitischen Aktivitäten, intensiver Öffentlichkeitsarbeit und Serviceleistungen zuzuschreiben. Diese wurden 1986 einer GmbH übertragen, deren Mehrheit der ADFC hält. Anhaltend hohe Eintrittszahlen haben im September 1991 den Mitgliederbestand über 60.000, ein Jahr später über 70.000, im August 1993 auf 80.000 ansteigen lassen. Dann flachte die Kurve ab. Im Oktober 1995 betrug die Mitgliederzahl 90.000. Seitdem sind geringe Steigerungsraten zu registrieren, die bis zum Frühjahr 1999 zu einer Gesamtzahl von 98.400 geführt haben. Bald wurde erkannt, dass die Organisationsstruktur des Verbandes den Anforderungen nicht gerecht wurde. Dem Charakter des Fahrrads als Nahverkehrsmittel entsprechend hatte man beschlossen, den ADFC in Bezirksvereine zu unterteilen, die Gebiete mit maximal einer Million Einwohnern, meist aber weniger umfassten. Es erwies sich aber als Mangel, dass es keine Gliederungen gab, deren Vertreter auf Landesebene tätig werden konnten. 1988/90 wurde deshalb eine Strukturdiskussion geführt. Sie endete mit der Verabschiedung einer Satzungsänderung durch die 11. Bundeshauptversammlung 1990 in Bamberg. Sie ersetzte die Bezirksvereine durch Kreis- und Landesverbände. Wenige Monate zuvor war die Berliner Mauer gefallen; die beiden deutschen Staaten waren auf dem Weg zu ihrer Vereinigung 3. Oktober 1990. Der ADFC gehörte zu den Pionieren. Im Januar 1990 war er führend an der Arbeitsgruppe Verkehr einer gesamtdeutschen Umwelt-Konferenz in Berlin beteiligt. Im März kam es in Potsdam dank der Städtepartnerschaft Bonn/Potsdam zur Gründung eines ADFC-Kreisverbandes. Auch in anderen DDR-Regionen fanden ADFC-Sympathisanten zueinander. Die Bundeshauptversammlung in Bamberg hat ihnen in großzügiger Auslegung von Satzung und Geschäftsordnung Rede- und Stimmrecht eingeräumt. Eine Besonderheit ist die Urkunde des Kreisgerichts im brandenburgischen Belzig, auf der mit einem Hammer-und-Zirkel-Stempel die Eintragung des ADFC Belzig e.V. in das Vereinsregister bestätigt wurde – am letzten Tag der Existenz der DDR. Wichtige Erfolge Schon in kurzer Zeit konnte sich der Verband bei Politik und Verbänden Anerkennung und Geltung verschaffen. Die Medien beachteten ihn. Die Fachwelt griff ADFC-Positionen auf. Nicht die Vorschläge des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, den der ADFC nach dreijähriger Mitgliedschaft wegen der Ignorierung der Radfahrerinteressen 1989 wieder verlassen hat, sondern viele ADFC-Anregungen sind vom Verordnungsgeber aufgenommen und umgesetzt worden. So war es dem Drängen des ADFC zu verdanken, dass 1989 für Lkw der seitliche Unterfahrschutz europaweit eingeführt worden ist. Seitdem ist die Zahl tödlicher Verletzungen von Radfahrern bei Konflikten mit abbiegenden Lkw deutlich zurückgegangen. Der im Zweijahresturnus stattfindende Wettbewerb "ADFC-Fahrrad des Jahres" hat technische Qualitätsmaßstäbe setzen helfen. In der Neufassung
der "Empfehlungen zur Verkehrserziehung in der Schule" der Kultusministerkonferenz
von 1994 ist nach mehreren abschlägigen Entscheidungen die Forderung
des ADFC berücksichtigt worden, Verkehrserziehung auch als Umwelterziehung
zu begreifen. In den "Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) 1995"
ist ebenso die Handschrift des ADFC zu erkennen wie in der 24. Novelle zur
Straßenverkehrs-Ordnung von 1997. Zum ersten Mal gab es eine Verordnung,
die der Erleichterung des Radverkehrs dienen sollte, während bis dahin
stets nur Regelungen getroffen wurden, die dem vermeintlichen Schutz der
Radfahrer, vor allem aber der Nichtbehinderung des Autoverkehrs durch den
Radverkehr galten. Auch wenn die Novelle noch viele Wünsche und Forderungen
offen ließ, war sie doch ein erster Schritt hin zur Gleichberechtigung
im Verkehr. Die Verknüpfung von Bahn und Rad ist ab 1988 vorangekommen.
ADFC und DB pflegen enge Gesprächskontakte. Der Plan, den Fahrradtransport
einzustellen, ist aufgegeben. Seit 1989 ist die uneingeschränkte Mitnahme
im Nahverkehr möglich. Der ADFC konnte sie in allen IR-Zügen durchsetzen,
dann auch in 90 IC-Zügen und schließlich – als ICE-Einstieg –
im ICT. Eng ist die Zusammenarbeit im gesamten Bereich des Tourismus. Der
auf der ITB 1999 vorgestellte erste umfassende Gesamtkatalog der deutschen
Radfernwege, entstanden in Kooperation mit dem Deutschen Tourismusverband
und gefördert vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie,
dürfte die Kombination Bahn/Rad weiter voranbringen. Am 25. März
1996 hat Bundespräsident Roman Herzog Mitglieder des Bundesvorstands
und des Landesvorstands Berlin zu einem Gespräch über die Lage
des Radverkehrs in Deutschland im Schloss Bellevue empfangen. Er hat die
Arbeit des ADFC gewürdigt und seine Unterstützung zugesagt.
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